Die Sechs-Monate-Frage mit dem Tod


 

Ein beliebtes Prinzip der deutschsprachigen spirituellen Speaker-Szene: "Was ich selbst nicht hinbekomme, vermittle ich eben als Seminar."

Eine besonders beliebte Methode unserer Oberflächenspirituellen lautet: Was würdest du tun, wenn du nur noch sechs Monate zu leben hättest?

Wow! Klingt das nicht dramatisch, aufwühlend und in die Tiefe gehend?

Dann schreiben die Teilnehmer auf, was sie in dieser Zeit noch erleben möchten. Mehr Zeit mit der Familie verbringen. Reisen. Sich einen lang gehegten Traum erfüllen. Alte Konflikte beenden. Den Menschen sagen, dass man sie liebt. Endlich das tun, was man schon immer tun wollte.

Und dann kommt der grosse Schluss: Diese Aufzählung zeige, was im Leben wirklich wichtig sei. Man müsse diese Dinge ab jetzt konsequenter verfolgen, dann werde das Leben tiefer und erfüllter.

Wirklich?

All diesen Dingen bin ich doch schon in der Vergangenheit ohne grosses Ankommensgefühl nachgerannt, und jetzt soll die Intensivierung diese Aktivitäten den Frieden mit mir selbst und der Welt erschaffen? Niemals. 

Und woher soll die Zeit kommen? Denn andere Dinge, die ich genauso gerne mache, oder zum Lebensunterhalt einfach machen muss, sind deswegen nicht einfach weggefallen. Und viel wichtiger: die Angst vor dem Tod brodelt immer noch still weiter wie das Magma unter einem schlafenden Vulkan. 

So eine Übung wird von einem Buch zum anderen abgeschrieben, von einem Seminar zum anderen abgekupfert - aber es bringt am Ende lediglich eine Strohfeuer-Illusion des "Fortschritts", ohne dass das Leben dadurch beeinflusst würde. 

Wie so viele Sprüche der Wiederkäuer-Speaker: Es klingt nur gut, funktioniert aber nicht. 

Und vor allem: Er selber wendet es auch nicht an.

 

Wenn man die Inhalte von Malina Seiler, Maxim Mankowic, Dieter Lange, Tobias Beck und Konsorten einmal mit der Substanz-Lupe durchforstet, erkennt man: die servieren eine derart dünne Suppe, dass das Bundesamt prüft, ob es als Frischwasserquelle dienen könnte. 


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